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15.02.2021 - Das neuartige Coronavirus breitete sich rasant über den ganzen Globus aus, kostete Millionen von Leben, schränkte die Menschen weltweit ein und brachte die Weltwirtschaft in Schräglage. Alles nur ein unglücklicher Zufall der regelmäßig in Form einer Pandemie über die Menschheit einbricht?

Coronavirus (Source: Centers for Disease Control and Prevention)

Abb.: Coronavirus (Quelle: Centers for Disease Control and Prevention)

In einem intakten Ökosystem hat alles seine Funktion. Tiere, Pflanzen, Pilze etc. leben in Wechselwirkung miteinander. Bienen sind ein bekanntes Beispiel für ein kleines, aber wichtiges Element in einem Ökosystem. Sie sind ein wichtiger Baustein ohne den wir, mangels fehlender Bestäubung, auf unser Obst verzichten müssten - dies könnten wir noch aufwendig durch künstliche Bestäubung erzeugen, ein gigantisches Artensterben wäre jedoch unaufhaltbar.

Wir Menschen greifen regelmäßig und immer massiver in Ökosysteme ein. Bisher ist der Mensch scheinbar glimpflich davon gekommen. Schaut man sich jedoch verschiedene Epidemien der jüngsten Zeit an, dann werden Zusammenhänge zwischen menschlichen Eingriff und dem Ausbruch einer Epidemie deutlich. Ein großer Teil der Infektionskrankheiten sind Zoonosen, also Krankheiten die von Tieren auf Menschen übertragen werden. Insbesondere Brasilien wurde stark von Seuchen in letzter Zeit getroffen. Hier wüteten Zika, Dengue und Gelbfieber. Diese Krankheiten werden über Stechmücken übertragen. Durch die Abholzung des Regenwaldes werden Wasserflächen geschaffen, die besonnt sind und eher ph-neutral. Das sind ideale Bedingungen für eine massenhafte Vermehrung der Stechmücken, welche die Krankheiten übertragen. Im Regenwald hingegen herrscht Schatten und das Wasser ist eher sauer. Zusätzlich existieren in einem intakten Regenwald zahlreiche Fressfeinde, welche die Zahl der Mücken dezimieren. Eine Studie zeigte, dass ein Abholzen von Regenwald um ca vier Prozent, die Ausbreitung von Malaria um rund 50 Prozent steigerte.*

Südasiatische Flughunde koexistierten mit dem Henipavirus seit Millionen von Jahren und haben sich evolutionsbedingt daran angepasst. Für Flughunde ist das Virus nur wie eine Erkältung. 1999 sprang, vermutlich über eine Schweinefarm im Dschungel, das Virus auf den Menschen über und führte zu zahlreichen Toden und bleibenden gesundheitlichen Schäden bei Tausenden.

Man schätzt, dass nur ein Prozent der Viren von Wildtieren bekannt ist. Siedlungen rücken immer näher in die Areale, in denen Viren existieren. Ein Sprung auf den Menschen wird somit wahrscheinlicher. Wenn dann, zusätzlich noch Wildtiere von Menschen verzehrt werden - insbesondere Fledermäuse und Flughunde mit ihrem spektakulären Reservoir an Viren (z. B. das Ebolavirus), dann ist dies ein Spiel mit dem Feuer. Aids ist übrigens eine Mutations des SI-Virus, welcher durch die Jagd auf afrikanische Menschenaffen übertragen wurde.

Ein anderer Faktor, den es zu berücksichtigen gilt, ist die Populationsdichte. Eine hohe Populationsdichte führt im Tierreich zu Stress. Dies erhöht die Aggressivität untereinander. Ebenso wird durch eine hohe Populationsdichte die Ausbreitung von Krankheiten begünstigt. Die Natur regelt normalerweise die Größe einer Population (Nahrungsangebot, erhöhte Sterblichkeit, verringerte Geburtsrate, erhöhter Fortpflanzungserfolg von Fressfeinden etc.). Beim Menschen sind diese Regulierungsmechanismen ausgehebelt. Die menschliche Population wächst rasant an. In Städten müssen die Menschen auf immer engeren Raum leben. Der Raum wird überall knapp. Bodenpreise schiessen in die Höhe. Städte wachsen unaufhörlich. Um die Menschheit mit Nahrung zu versorgen, werden immer mehr landwirtschaftliche Flächen benötigt. Dürren und wirtschaftliche Interessen führen zu Kriegen. Krankheiten breiten sich aus…
Die Zahl der Menschen auf diesem Planeten ist an ihre Belastungsgrenze angekommen.  

Bisher waren Pandemien relativ seltene Ereignisse. Angesichts der steigenden Bevölkerungszahlen und der fortschreitenden Zerstörung unserer Natur ist mit einem häufigeren Auftreten von Pandemien zu rechnen.

Eine intakte Natur und ein drastisches Verfolgen von Wildtier-Handel ist auch mit Blick auf die Vermeidung von Epidemien wichtig. Ebenso sollte überlegt werden, wie das Wachstum der Bevölkerungszahlen verlangsamt werden kann.

 

* Olson SH, Gangnon R, Silveira GA, Patz JA. Deforestation and malaria in Mâncio Lima County, Brazil. Emerg Infect Dis. 2010;16(7):1108-1115. doi:10.3201/eid1607.091785

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